Blutgeld für Freislers Witwe

Manchmal wirkt das Zusammentreffen zweier Ereignisse wie schwarzer Humor: Vor drei Wochen erklärte der Bundestag auf Empfehlung seines Rechtsausschusses alle Entscheidungen des „Volksgerichtshofs“ im nachhinein für null und nichtig. Die 1934 auf Verlangen Hitlers geschaffene Einrichtung sei zu keiner Zeit ein Gericht gewesen, sondern nur „ein Terrorinstrument zur Durchsetzung der nationalsozialistischen Willkürherrschaft“. Ganz richtig, nur: Warum erst jetzt, nach vierzig Jahren?

Nun bringt ein bayerischer Landtagsabgeordneter die Versorgungsakte der Witwe des „Volksgerichtshof“-Präsidenten Roland Freisler ans Licht. Daraus geht hervor, daß Marion Freisler nicht nur Witwenpension aus dem „Dienst“-verhältnis ihres kurz vor Kriegsende bei einem Bombenangriff umgekommenen Ehemannes bezieht, sondern darüber hinaus – seit 1974 – eine „Schadensausgleichsrente“. Gewährt vom Versorgungsamt in München mit der Begründung, es müsse unterstellt werden, daß Freisler – hätte er überlebt – nach dem Krieg „als Rechtsanwalt oder Beamter des höheren Dienstes tätig geworden wäre“.

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http://www.zeit.de/1985/09/blutgeld-fuer-freislers-witwe

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