Warum die Amerikaner ihre Waffen so lieben

Jeder darf in den USA Gewehre und Pistolen besitzen. Der Amoklauf in Denver wird das nicht ändern. Denn das Recht auf eine Waffe hat historische Gründe. Von E. T. Hansen

Wir Amerikaner lieben unsere Waffen, und daran sind die Europäer schuld.

Nur die Waffen ließen viele Amerikaner überleben

Die Verfassung garantiert das Recht auf Waffenbesitz

Als wir 1776 den englischen Adel abschütteln wollten, konnten wir uns nur deswegen behaupten, weil so gut wie jeder Mann zu Hause eine Knarre hatte. Die Demokratie wurde tatsächlich von lauter kleinen Privatarmeen erkämpft.

Nach der Unabhängigkeit fragten sich viele, wie lange es wohl dauern würde, bis die neue Regierung in Washington ebenfalls zu einer Tyrannei mutiert (von Anfang an waren wir paranoid, was das Verhältnis zur Obrigkeit angeht). Um dem vorzubeugen, schrieb man schon ein paar Jahre später den zweiten Verfassungszusatz, der garantiert, dass der Privatmensch Waffen tragen darf. Es kann ja sein, dass er irgendwann eine Armee bilden muss.

Waffenkritiker meinen, der zweite Verfassungszusatz sei überholt (oder wäre aus heutiger Sicht einfach falsch interpretiert), und sie könnten Recht haben. Deshalb ging die Frage vor einigen Jahren vor den Obersten Gerichtshof, der die endgültige Entscheidung traf: Der zweite Verfassungszusatz garantiert tatsächlich, dass jeder Amerikaner, und wenn er der letzte Depp ist, eine Waffe besitzen darf.

Das Gewaltmonopol des Staates existiert in den USA nicht

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes wird von Waffengegnern als ein tragischer Sieg der Rechten dargestellt, aber das ganze reicht viel tiefer.

Mit dem zweiten Verfassungszusatz wurde 1791 die Bewaffnung des kleinen Mannes gegenüber der Obrigkeit festgeschrieben. In Deutschland spricht man gern vom „Gewaltmonopol des Staates“: In den USA existiert dieses Monopol nicht, und auch wenn es heute arg veraltet klingt, ist das seit 1776 ein Teil unseres Selbstverständnisses.

Deswegen legen wir die Waffe auch nicht aus der Hand, selbst wenn wir uns damit ins eigene Bein schießen.

 

http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-07/USA-waffen/komplettansicht

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