Ein paar Zeilen über meine Ehefrau Silvia Kirsten

Liebe User dieser Website,

heute möchte ich mich auf dieser Seite im Namen meiner Ehefrau

SILVIA KIRSTEN

äußern. Sie bat mich in ihrem letzten Brief an mich, einige für Sie wichtige Informationen auf diese Website zu setzen, was ich hiermit sehr gerne tue:

  1. Sie möchte sich gerne bei Herrn A. G. herzlichst bedanken. Herr G., Sie haben meiner Frau ein kleines Büchlein mit dem Titel “Das kleine Buch der Engel” über Amazon zukommen lassen. Meine Frau hat sich wahnsinnig darüber gefreut, dies brachte sie in ihrem Brief an mich zum Ausdruck.
  2. Weiter bedankt sich meine Frau bei allen Menschen, die ihr in dieser schweren Zeit geschrieben und Briefmarken, Karten etc. geschickt haben. Ein ganz großes DANKESCHÖN an alle. Ihre Briefe und Karten sind die einzigen und wirklich schönen Glücksmomente, die meine Frau in dieser U-Haft erleben darf.
  3. Ausserdem bittet meine Frau alle um Verständnis, dass sie auf all die vielen lieben und gutgemeinten Zuschriften vorerst nicht antworten kann. Sie hat derzeit massive gesundheitliche Probleme, die ihr das Schreiben unwahrscheinlich schwer machen. Selbst für einen Brief an mich, benötigt meine Frau mehrere Tage. Nur mit Schmerzen ist es ihr möglich, zu schreiben. Bitte seien Sie also nicht allzu sehr enttäuscht, wenn Sie von meiner Frau keine kurzfristige Antwort erhalten.

Sie alle würden mir und sicher auch meiner Frau einen wahnsinnig großen Dienst erweisen, wenn Sie ihr des öfteren einige motivierende Zeilen oder Karten zukommen lassen würden. Sie hat in der U-Haft definitiv sehr schwer zu kämpfen und ich bin sehr stolz, dass sie das alles durchsteht, obwohl sie gar nicht weiß, weshalb sie eigentlich inhaftiert wurde. Dieser Zustand dauert nun schon 18 Monate und leider ist noch kein Ende in Sicht. Ungeachtet dessen, dass sich weder meine Frau, noch ich etwas haben zu Schulden kommen lassen, erleidet sie nun auch noch heftige Schmerzen. Sie leidet unter Athrose (deshalb auch die Probleme mit dem Schreiben von Briefen), weiter unter sehr starken Rücken­schmerzen, die auf die “Pritschen” im Gefängnis zurückzuführen sind. Zuhause schlief meine Frau aus diesem Grund auf einer Spezialmatratze. Zu guter Letzt kam nun auch noch der komplizierte Bein­bruch dazu, der dazu führte, dass sie sich in der Haft nur noch mit Krücken fortbewegen kann. Desweiteren muss sie sich auch noch mit Pfändungen, die aufgrund dieses Falles entstanden und ungerecht­fertigt sind, herumschlagen, was dazu führt, dass sich meine Frau noch nicht einmal die notwendigsten Hygiene-Artikel kaufen kann. Ihr stehen nach den Pfändungen gerade mal 30 Euro monatlich zur Ver­fügung, und davon werden noch die Kosten für das Fernsehen abge­zogen. Derzeit hat man ihr auch noch das Fernsehgerät entzogen. Im Übrigen ist die medizinische Hilfe, die man ihr im Gefängnis angedeihen lässt, gleich NULL. Menschenverachtend hoch drei. Zum Glück wird sie aufgrund mehrerer Operationen auch von einem Arzt ausserhalb der Anstalt behandelt. Sicher können Sie jetzt verstehen, weshalb ich stolz auf meine geliebte Ehefrau bin. Sie erträgt diese psychische und körperliche Folter im Namen der Gerechtigkeit.

Vielleicht setze ich mich jetzt in die Nesseln, wenn ich eine Passage aus dem letzten Brief meiner Frau zitiere:

“… Nur mit der Krankenabteilung und vor allem mit der Ärztin, das ist alles nicht so prickelnd. Ähnlich wie bei Dir. Ich sollte am 10.04. nach Würzburg zum Gutachten (Anm.: wegen des gebrochenen Beines). Abgesehen davon, dass ich mir nicht sicher war, was das bringen sollte, und keiner mir sagen konnte, ob ein Tag, eine oder zwei Wochen in Würzburg für mich vorgesehen war, ging es mir rein körperlich extrem schlecht. Durch die lange Fehlbelastung habe ich mehr Schmerzen im Rücken, in den Armen und der Hüfte. Zu allem Unglück hatte ich mir auch noch am Ostermontag kurz vorm Hofgang wahrscheinlich einen Nerv im Rücken eingeklemmt, sodass ich kaum atmen oder mich bewegen konnte. Außer mit Rotlicht konnte mir auch nicht weitergeholfen werden.

Dienstag-Früh konnte ich mich kaum bewegen und bin (09:00 Uhr sollte Abfahrt sein) 06:30 Uhr in die Ambulanz “geschlichen”. Nach Rotlicht und einer Stunde Wartezeit sagten sie mir, dass die Ärztin käme. Ich versuchte ihr klarzumachen, dass ich nicht in der Lage wäre, 3 Stunden in so einem Transporter zu sitzen. Erstens wegen meines Beines und zweitens wegen der extremen Rückenschmerzen. Sie hat mich aber überhaupt nicht ernst genommen. Ich hatte das Gefühl, sie sei gar nicht “bei mir”. Sie sagte dann nur ganz lapidar – “Ich gebe Ihnen etwas gegen die Schmerzen für die Fahrt.” Sie gab mir eine Spritze und ging. Obwohl ich schon 08:00 Uhr in der Kammer (Anm.: zwecks Überprüfung der mitgenommenen Gegenstände) hätte sein müssen, kam ich erst 08:15 Uhr wieder in meine Zelle. Nichts gepackt, unge­waschene Haare etc. – eine Beamtin half mir dann, so gut sie konnte. Eine ganz Liebe. Ausserdem hatte die Krankenabteilung auch meine Medikamente nicht mitgegeben mit der Akte u.s.w. – Chaos pur! Es gab noch mehr Zwischenfälle, aber kurz und gut – die 2 Polizisten, die mich fahren sollten, hatten wohl angeblich den Termin verschwitzt und kamen, nachdem ich mit einer Beamtin, meine Taschen, Jacken und dem Keil für mein Bein, schon zwei mal hin und her gehumpelt war, erst 10:45 Uhr am Tor an. Ich humpelte ins Auto und legte mein Bein quer auf die Sitze. Da schaute der eine Polizist ganz schön komisch. Nachdem die Beamtin dann gesagt hatte, dass ich mich ab und zu mal hinlegen würde, wegen meiner Rückenschmerzen, wurde er “grantig”, rief seine Dienststelle an und weigerte sich, mich zu transportieren. So wackelten wir zum 3.Mal mit dem gesamten Gepäck wieder in die Kammer und alles retour. Als ich dann in meiner Zelle alles wieder ausgepackt hatte (immer noch mit großen Problemen bei jeder Bewegung), sollte ich auf die Glocke drücken. Man teilte mir mit, dass ich meine Sachen zusammenpacken solle, ich würde in die Krankenabteilung ver­legt. Ich dachte, ich spinne. Das war natürlich reine “Schikane”. Da die Ärztin mich “transportfähig” geschrieben hatte, fühlte sie sich natürlich auf “den Schlips getreten”. Man wollte mich “bestrafen” , und “Macht demonstrieren”. Erst nachdem die Beamtin aus der Kammer dann eine schriftliche Stellungnahme verfassen musste, sah man dann gnädigerweise von meiner “Bestrafung” ab. Die Beamtinnen hier auf unserem Flügel schüttelten nur mit dem Kopf. Solche Eskapaten erleben sie hier des öfteren mit der Krankenabteilung. Absolut unprofessionell! Als ich dann am Mittwoch zur Physiotherapie in die Krankenabteilung kam, “schnauzte” (wahrhaftig!) mich eine Schwester an, ich solle erstmal mitkommen und mich ins Arztzimmer setzen und warten. Kurz darauf teilte sie mir mit, (richtig hämisch – ich kam mir vor, wie ein Kind, dass eine Fensterscheibe eingeworfen hat und nun die Be­strafung erwartet), dass der Dr. A. (Anm.: der ausserhalb der Anstalt behandelnde Arzt) mich sprechen wolle. Der war aber wirklich sehr nett und angenehm am Telefon und teilte mir mit, dass man ihm gesagt hätte, ich hätte mich gegen alles verweigert. – Eine glatte Lüge! Ich hab es dann erstmal klargestellt. Selbst er war der Meinung, dass ich mit meinem Bein und den Beschwerden nicht 3 Stunden in diesem Transporter sitzen könne. …”

Soweit die Passage aus diesem Brief. Ich selbst habe hier schon ähnliches erlebt. Definitiv ist das, was man hier in Bayern medizin­ische Hilfe in Strafanstalten nennt, eine Farce oder besser gesagt, nur eine Alibi-Veranstaltung. Zu gegebener Zeit werde ich dieser Thematik mehr Aufmerksamkeit schenken und die betreffenden Ärzte und Ärztinnen beim Namen benennen. Denn letztendlich ist das, was meiner Frau und mir widerfahren ist kein Einzelfall. Tagtäglich werden in den Justizvollzugsanstalten Menschen im medinzinischen Bereich schlechter als Tiere behandelt. (…weiterlesen…)

http://www.horstkirsten.de/?p=423

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.