So komfortabel leben Sicherungsverwahrte in Werl

Direkt neben der JVA Werl wird ein Wohnhaus für die Sicherungsverwahrten gebaut. Mit Pantryküchen und eigenem Bad erinnert die Einrichtung an Studentenzimmer. Doch Freiheit gibt es nur in Grenzen.

Der Raum ist so groß wie ein Zweibettzimmer im Krankenhaus mit eigener Dusche und Toilette. Ein großes Fenster nimmt fast die Hälfte der Außenwand ein. Doch hinter dem Fenster sind zwei Zentimeter dicke Gitterstäbe aus speziellem Manganstahl angebracht und die massive Stahltür am Eingang ist mit ihren sieben Zentimeter Stärke und einer von außen zu öffnenden Sichtluke wirklich sicher. In Werl im Kreis Soest (NRW) sollen ab dem kommenden Jahr bis zu 140 Sicherungsverwahrte nach Verbüßung ihrer Haft in solchen Einzelzimmern leben.

Am Montag stellte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb den Rohbau des neuen Traktes für die Sicherungsverwahrung vor. Direkt angrenzend an das 1908 gebaute „Königlich preußische Zentralgefängnis“, die heutige JVA Werl, in dem viele Schwerverbrecher ihre Strafe absitzen.

„Das erinnert an ein Studentenappartement, aber die Menschen müssen da ja auch auf unbestimmte Zeit drin leben, ohne genau zu wissen, wann sie rauskommen“, sagt NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD), nach Besichtigung einer Musterzelle. Mit dem Neubau werde den Forderungen des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2011 nach einem deutlichen Abstand der Sicherungsverwahrung zum Strafvollzug Rechnung getragen.

Die Ausstattung erinnert an ein Hotelzimmer

„Das sind keine Zellen“, sagt JVA-Leiterin Maria Look. „Wir nennen das Zimmer, um den Unterschied zur Haft deutlich zu machen.“ Und der Neubau heiße auch nicht Hafthaus, sondern Wohnheim. Wären nicht die Gitter vor den Fenstern, könnte man sich tatsächlich an ein Hotelzimmer erinnert fühlen. Die Räume werden alle mit einer Pantryküche ausgestattet. „Wir haben aber auch Gemeinschaftsküchen auf den Fluren“, sagt Look.

Überhaupt bemüht sich der Vollzug, die Unterschiede zum normalen Knast herauszustellen. „Die Türen sind von 6 bis 21.30 Uhr offen“, sagt die Leiterin. Die Sicherungsverwahrten könnten sich auf ihrer Etage frei bewegen. Doch in den Zellen – oder besser Zimmern – im Erdgeschoss stößt beim Blick aus dem Fenster die Freiheit durch die meterhohe Betonmauer schnell an ihre Grenzen.

Derzeit gibt es in NRW 112 Sicherungsverwahrte, 51 davon in der JVA Werl. Die müssten sich doch eigentlich auf den Neubau freuen? „Sie sind hoffnungsvoll gespannt, aber haben wie wir alle auch Angst vor Veränderung“, sagt Look.

Anwohner sind aufgrund des Neubaus besorgt

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http://www.welt.de/regionales/nrw/article138492798/So-komfortabel-leben-Sicherungsverwahrte-in-Werl.html

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