Rettungsanker für „Systemsprenger“

Auch der Kreis Warendorf schickte Jugendliche ins Ausland

Kreis Warendorf – Nach Ungarn ging es nicht. Aber auch das Kreisjugendamt hat in den vergangenen Jahren regelmäßig Jugendliche im Ausland untergebracht: in Polen, in der Ukraine, in Portugal und in Italien.

Klar ausschließen kann Jugendamtsleiter Wolfgang Rüting aber, dass Mitarbeiter seines Amtes mit dem „Geschäftsmodell Auslandstherapie“ nebenbei Kasse machen. Dieser Verdacht richtet sich derzeit gegen Verantwortliche in Gelsenkirchen.

Auch wenn Rüting am Montag sagte, er selbst sehe die Auslandsunterbringung „kritisch und skeptisch“, betonte der Amtsleiter zugleich, er wolle diese Maßnahmen „nicht verteufeln“. In Einzelfällen habe das Kreisjugendamt mit den Erziehungsmaßnahmen im Ausland gute Erfahrungen gemacht.

Es sollen die so genannten „Systemsprenger“ sein, für die der Aufenthalt im Ausland oft der letzte Rettungsanker ist. „Meist sind es ältere Jugendliche, die eine lange Heimkarriere hinter sich haben und die wir mit herkömmlichen Maßnahmen nicht mehr erreichen.“

Fast immer handele es sich um junge Menschen, die sozial verwahrlost seien und nie gelernt hätten, Vertrauen und Bindungen aufzubauen. Oft reagierten sie äußerst aggressiv. So wie die 14-Jährige, die das Jugendamt im Jahr 2008 auf der Krim untergebracht hatte. In Deutschland habe es damals keine Hilfeeinrichtung gegeben, die bereit war, das Mädchen aufzunehmen. „Die 14-Jährige war hochgradig gewalttätig und griff kleine Kinder auf Spielplätzen an“, erläuterte Rüting. Durch das Projekt auf der Krim sei sie aber stabilisiert worden und hätte danach wieder in einem Heim in Deutschland gelebt. (…weiterleiten…)

http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Warendorf/1971697-Auch-der-Kreis-Warendorf-schickte-Jugendliche-ins-Ausland-Rettungsanker-fuer-Systemsprenger

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