Ohne Betreuung im Ausland

Herne. „Was ich in Ungarn erlebt habe, wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht“, erzählt Pascal (Name geändert). 20 ist er heute, 14 war er, als das Herner Jugendamt ihn 2009 nach Gyomaendröd schickte, ein Örtchen im Südosten des Landes mit 16 000 Einwohnern. Zu einer „individualpädagogischen Einzelbetreuung“, wie Behörden so etwas nennen. Kosten pro Monat für die öffentliche Hand: 4724,20 Euro. Anfang 2010, nach zehn Monaten, war Schluss, auf Druck seiner Großmutter. Die Maßnahme wurde abgebrochen, ohne dass das Herner Jugendamt auch nur einmal vor Ort gewesen wäre.

Pascals Geschichte weist Parallelen zu einem Fall auf, den jüngst das ARD-Magazin Monitor aufgriff: der Fall des elfjährigen Paul, der auf Anordnung des Dorstener Jugendamts vom Bochumer Träger Life Jugendhilfe GmbH auf einem Hof in Ungarn untergebracht worden war. Dort sei Paul ohne echtes pädagogisches Konzept von einem Handwerker (64) betreut worden, so der Kern des Monitor-Berichts.

Pascal kommt das nur zu bekannt vor, auch wenn Life ihn an einem anderem Ort unterbrachte. Die Stadt Herne und Pascals Mutter hatten sich darauf verständigt, weil zuvor „verschiedene andere Jugendhilfemaßnahmen erfolglos angeboten und abgebrochen“ worden seien, so das Jugendamt. Pascal hatte damals Aufenthalte in Heim und Wohngruppen hinter sich. Mit seiner alleinerziehenden Mutter kam er überhaupt nicht mehr klar.

Drogen und Kriminalität hätten dabei aber keine Rolle gespielt, beteuert Pascal. Seine Großmutter bestätigt das und kritisiert die Entscheidung: „Da hat man mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“

Pascal stand einer Betreuung im Ausland zunächst nicht ablehnend gegenüber. Doch schon nach wenigen Tagen in Ungarn sei er ernüchtert und später verzweifelt gewesen: „So schlimm hätte ich es mir nicht vorgestellt“, sagt er. (…weiterlesen…)

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