Jugendamt: Herner Linke will freien Träger „Life Jugendhilfe“ bannen

Herne.   Der WDR hat in dieser Woche in einem Fernsehbericht erneut Auslandsmaßnahmen von Jugendämtern kritisiert. Auch in Herne ist das Thema nicht vom Tisch.

Der WDR hat in dieser Woche nachgelegt und in der Sendung „Die Story“ unter dem Titel „Mit Kindern Kasse machen“ das System der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen durch Jugendämter im Ausland erneut hinterfragt. In Herne ist das Thema nach einer Debatte im Jugendhilfeausschuss offiziell vorerst vom Tisch. Eine Forderung steht aber nach wie vor im Raum. Auch alle Fragen sind noch nicht beantwortet.

Von einer „transparenten und lückenlosen“ Aufklärung durch die Stadt spricht Jugenddezernentin Gudrun Thierhoff. Und: Die nach den Medienberichten in die Kritik geratenen Träger „Life Jugendhilfe“ (Bochum) und St. Josef-Heim (Gelsenkirchen) würden zurzeit nicht neu von der Stadt belegt. Da „Life“ nicht den 2013 in Herne aufgestellten Qualitätsstandards entspreche, bringe die Stadt über diesen Träger sowieso keine Kinder rmehr im Ausland unter.

In Deutschland betreut „Life“ als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe zurzeit für die Stadt Herne aber nach wie vor Kinder und Jugendliche. Das ruft Daniel Kleibömer (Linke) auf den Plan. Er fordert die Verwaltung zu noch mehr Transparenz und einer stärkeren Kontrolle der Träger auf. „Life“ sei aus seiner Sicht kein seriöser Anbieter, sagt der Linke-Fraktionsgeschaftsführer. Er verweist unter anderem auf die Qualifizierungspraxis: „Life“ biete Fortbildungen in eigenen Gesellschaften an, um anschließend die Teilnehmer bei sich zu beschäftigen.

So war es auch im Fall Pascal geschehen. Wie berichtet, ließ „Life“ 2010 den damals 15-Jährigen im Auftrag der Stadt Herne von einem Ofenbauer mit einer u.a. bei „life“ erworbenen Zusatzqualifikation in Ungarn betreuen. Nach Intervention der Großmutter wurde die Maßnahme damals abgebrochen. Auf mehrfache Nachfrage der WAZ räumte die Stadt jüngst das Versäumnis ein, die Betreuung trotz der Hinweise auf Missstände vor Ort nicht kontrolliert zu haben.

Der WDR stellte in seinem jüngsten Bericht auch die Kooperation zwischen „Life Jugendhilfe“ und der Kinder- und Jugendpsychatrie Datteln in Frage. Es gebe eine Interessenskonflikt, so der Vorwurf. Die Einrichtung profitiere davon, wenn sie eine Auslandsmaßnahme befürworte, weil sie für „Life“ die Therparierung der außerhalb Deutschlands untergebrachten Kinder und Jugendliche übernehme. Das war auch bei dem Herner Jugendlichen Pascal der Fall.

Offenen Fragen zur Unterbringung im St. Josef-Heim

Antworten beziehungsweise Zahlen schuldig bleibt die Stadt Herne bisher in Sachen „St. Josef“. Zur Erinnerung: Nach WDR-Berichten über zweifelhafte Geschäfte zwischen der Gelsenkirchener Jugendamtsspitze und dem katholischen Kinderheim ist die Heimleiterin freigestellt worden; die Ermittlungen laufen.

Nach WAZ-Informationen soll die Stadt Herne seit rund zwei Jahren eine relativ hohe Zahl von Kindern im St. Josef-Heim untergebracht haben; davor soll diese Einrichtung kaum eine Rolle fürs Herner Jugendamt gespielt haben. Auf Linke-Nachfrage wies Jugendamtsleiterin Annette Frenzke-Kulbach dies im Jugendhilfeausschuss pauschal zurück. St. Josef sei belegt worden wie andere Träger auch. Eine konkrete Anfrage der WAZ, wie viele Kinder die Stadt Herne in den Jahren 2009 bis 2014 im St. Josef-Heim unterbrachte, hat die Stadt bisher unter Verweis auf den Streik im Sozialdienst nicht beantwortet.

http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/herner-linke-will-freien-traeger-life-jugendhilfe-bannen-id10743912.html

http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/jugendamtsleiterin-fordert-wertschaeftzung-von-asd-page2-id10743912.html

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