Jugendhilfe in Pinneberg auf dem Prüfstand

Christoph Helms als neuer Fachdienst- und Jugendamtsleiter will Jugendhilfe messbar machen. Die Kosten sind enorm gestiegen.

Kreis Pinneberg. In keinem anderen Bereich sind die Ausgaben so gestiegen wie in der Jugendhilfe. 31 Millionen Euro gibt der Kreis Pinneberg für zurzeit 2263 Fälle aus, neun Millionen Euro mehr als 2011. Allein die Kosten für die Schulbegleitung sind explodiert – von 11.000 Euro im Jahr 2008 auf zwei Millionen Euro 2014, sagt Christoph Helms. Der Fachdienstleiter für Jugend und soziale Dienste, der heute Leiter des Kreis-Jugendamtes werden soll, will die Jugendhilfe auf den Prüfstand stellen. „Wir müssen das messbar machen und hinterfragen, ist es gut für das Kind, was wir machen. Kriegen sie die Qualität an Hilfen, die sie brauchen?“

Seine 100 Mitarbeiter seien sehr engagiert, hat Helms festgestellt, der seit einem halben Jahr im Amt ist. „Sie fühlen sich für jeden einzelnen Fall verantwortlich und machen eine sehr anspruchsvolle Arbeit.“ Immer drohe eine öffentliche Skandalisierung wie im Fall der Jugendeinrichtung Friesenhof in Dithmarschen, die die Landesregierung jetzt geschlossen hat, nachdem erneut Misshandlungen von dort untergebrachten Mädchen publik wurden .

Auch der Kreis Pinneberg hatte dort ein 13 Jahre altes schwer verhaltensauffälliges Mädchen bis zum Januar 2014 untergebracht. Als diese klagte, sie sei von einem Betreuer geschlagen worden, sei sie sofort abgeholt und anderweitig untergebracht worden. Der Kreis arbeite hier bundesweit mit 100 Einrichtungen zusammen, wo zurzeit 359 Mädchen und Jungen aus dem Kreis Pinneberg leben. Der betroffene Mitarbeiter des Friesenhofes sei nach dem Vorfall sofort vom Dienst suspendiert worden, weiß Helms von seinen Kollegen. „Wir haben die Zusammenarbeit aufgekündigt. Meine Kollegen waren von dem pädagogischen Konzept ohnehin nicht überzeugt.“

Alle Einrichtungen würden überprüft, die Kinder und Jugendlichen ein bis zweimal im Jahr besucht, erklärt der Jugendhilfe-Chef. Für den Notfall habe jedes Kind die Handynummer des zuständigen Mitarbeiters der Kreisverwaltung, um Hilfe zu rufen. Und trotz dieser Sicherheitsvorkehrungen könne er niemals sicher sein, dass es zu Übergriffen käme. „Wir haben da aber auch bisher Riesenglück gehabt“, gibt Helms unumwunden zu.

Durchschnittliche Verweildauer im Heim beträgt 26 Monate

Schultraining letzte Stufe vor Heimunterbringung

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http://www.abendblatt.de/region/pinneberg/article205394287/Jugendhilfe-in-Pinneberg-auf-dem-Pruefstand.html

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