Jugendheime bitten zum „Casting“

Hamburg.  Rund 1400 junge Hamburger leben derzeit in Heimen außerhalb der Hansestadt – das sind etwa die Hälfte aller Fälle. Warum eigentlich? Wohl nicht wegen der guten Konzepte von Kinder- und Jugendheimen in Dithmarschen und anderswo. Glaubt man Uwe Riez, dem Senatsdirektor in der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, ist es die nackte Not, die Jugendämter so handeln lässt.

Riez hat sich dazu unlängst im Familien-, Kinder- und Jugendausschuss zum Thema Friesenhof geäußert. „Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen unternommen, um die jungen Menschen möglichst wohnortnah unterzubringen“, sagt er. Aber die Träger hätten Probleme, geeignete Immobilien zu finden – „in dieser Stadt, in der Wohnfläche an allen Ecken und Enden knapp ist“. Hinzu kommt: „Leider verstopft das System von hinten.“ Volljährige, die das Heim eigentlich verlassen könnten, fänden keine Wohnung und blieben deshalb dort. „Die Bezirksämter sagen: Wir können sie ja nicht unter die nächste Brücke schicken oder ins Pik As.“ Deswegen werde nun, wenn es um eine Heimunterbringung gehe, „immer wieder ins Umland geguckt – obwohl es keinen dringenden Grund gibt, außerhalb der Stadt zu suchen“.

Selbst im Umland sei es schwierig, Plätze zu finden. Riez: „Wir beobachten, dass es für schwierige Jugendliche schwierig ist, Träger zu finden, die diese jungen Menschen aufnehmen. Es gibt böse Stimmen, die sagen, die Träger können es sich leisten, ein Casting durchzuführen.“ Man müsse mit den Jugendlichen da auftauchen und hoffen, dass der Träger sage: „Okay, den nehme ich, der passt hier rein.“ (…weiterlesen…)

http://m.abendblatt.de/hamburg/article205505299/Jugendheime-bitten-zum-Casting.html

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