Gelsenkirchener Kinderheim machte Überbelegung zum Geschäftsmodell

Gelsenkirchen.   Ein ehemaliger Gruppenleiter berichtete Freitag in der Marathonsitzung des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Jugendamtskandals.

Die Aufarbeitung der Verstrickungen zwischen dem ehemaligen Leiter-Duo des Jugendamtes und dem Kinderheim St. Josef der St. Augustinus GmbH nahm am Freitag richtig Fahrt auf: Dirk Hausberg, ehemaliger Beschäftigter im Heim und jener Mitarbeiter, der den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 2013 über die Überbelegung der Gruppen informiert hatte, berichtete in der Sitzung des Untersuchungsausschusses frank und frei über Vorgänge hinter der Fassade von St. Josef.

Vorgänge, die den ehemaligen Leiter einer heilpädagogischen Gruppe dazu veranlassten, „zivilen Ungehorsam zu leisten“. Er habe sich endlich wehren wollen gegen das offensichtliche Diktat der Überbelegung, Sechs Kinder dürften in einer intensivpädagogischen Gruppe sein, sieben seien es in seiner oft gewesen, manchmal auch acht. Übergelaufen sei das Fass bei ihm, als er 2013 zu sieben Kindern ein achtes, „schwieriges“ Kind in die Gruppe nehmen sollte. Er weigerte sich, wurde vom Dienst suspendiert. Da war Dirk Hausberg längst bekannt, dass es sich bei der permanenten Überbelegung um ein „Geschäftsmodell“ handelt, wie es in einer Gruppenleitersitzung mit St. Augustinus-Geschäftsführer Peter Weingarten genannt worden war. „Der Träger hat Frau Gresch (ehemalige Heimleiterin, d.Red.) auch gerne die Rückendeckung gegeben“, so Hausmann.

Wenn LWL-Besuch angekündigt war, wurden die Gruppen kurzfristig optisch angepasst, Betten umgebaut, Akten versteckt. „Das hat Frau Gresch organisiert“, so Hausmann. Der er im übrigen bescheinigte, sie habe Mitarbeiter eingeschüchtert: „Im Heim herrschte ein totalitäres System“. Darauf führte er auch zurück, dass die Mitarbeiter geschwiegen haben. (…weiterlesen…)

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