Läuft es besser in der JVA Wuppertal-Ronsdorf?

100 Tage nach Führungswechsel

Läuft es besser in der JVA Wuppertal-Ronsdorf?

Das Chef-Büro wirkt kahl. An den Wänden hängen keine Bilder. In dem Arbeitszimmer finden sich kaum persönliche Gegenstände. Mehrfach betont Katja Grafweg beim Interviewtermin in ihrem Büro, dass sie „kommissarisch“ die Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf leitet. Mittlerweile ist sie rund 100 Tage im Amt. „Ich bin für sechs Monate abgeordnet. Das ist dann bis Ende Februar“, sagt Grafweg. Sie mache die Arbeit in Ronsdorf gern. Die 51-Jährige ist eigentlich JVA-Leiterin in Remscheid. Anfang September hatte die erfahrene Gefängnischefin Grafweg den Posten auf Zeit in Wuppertal-Ronsdorf übernommen.

Personalwechsel nach Kritik

2011 war Ronsdorf als neues Vorzeige-Jugendgefängnis des Landes NRW an den Start gegangen. Die moderne JVA sollte Lehren ziehen aus dem Foltermord in der JVA Siegburg. Doch Ronsdorf geriet in die Kritik. Der Rechtsausschuss des Landtags debattierte im Januar 2014 über Berichte von angeblichen Gewaltexzessen in der JVA. Im Herbst 2014 nahmen sich zwei Häftlinge innerhalb von sechs Wochen das Leben. Im Sommer 2015 kritisierte ein Ex-Häftling die Zustände in Ronsdorf. Anfang August berichtete der WDR über Klagen von JVA-Mitarbeitern. Kurz vor einer erneuten Rechtsausschuss-Sitzung zu Ronsdorf wurde der bisherige Leiter Rupert Koch laut Regierung „auf eigenen Wunsch“ ausgetauscht – obwohl Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) den Verantwortlichen gegen Kritik von außen verteidigte. Er empfinde „die Kritik als überzogen und zu persönlich“, sagte der scheidende JVA-Chef Koch.

Interims-Chefin lobt Mitarbeiter

Was hat die Interims-Leiterin Grafweg geändert? Für sie sei es zunächst mal darum gegangen, „ins Gespräch zu kommen“, sagt sie – mit Mitarbeitern, mit Inhaftierten. „Ich habe mir Zeit genommen, habe viel geguckt, bin viel rumgelaufen“, beschreibt sie ihre Anfänge in der Anstalt. „Negative Berichterstattung bringt immer Unruhe in einer Institution. Ich glaube, es ist ein bisschen mehr Ruhe eingekehrt“, sagt Grafweg. Sie lobt das „engagierte, junge, aber keineswegs unerfahrene oder unsichere Team“ in der JVA. Vor ihrem Start habe sie durchaus öffentlich kursierende Bedenken geteilt, dass es unter den Beschäftigen „nur wenige alte, erfahrene Hasen“ gebe. Mittlerweile sehe sie die vielen jungen Mitarbeiter nicht mehr als Problem, sondern als „Produktivkraft“. „Es gibt hier Mitarbeiter, die sehr gut wissen, was sie tun“, sagt die Übergangs-Chefin. Man müsse Mitarbeitern, zum Beispiel aus der mittleren Ebene des Vollzugsdienstes signalisieren, „dass sie wichtig sind“.

Gewerkschafter: „Betriebsklima verbessert“

Grafweg erhält von Beschäftigten-Seite vorsichtiges Lob. „Wenn man mit den Kolleginnen und Kollegen aus der JVA Wuppertal-Ronsdorf spricht, bekommt man einen positiven Eindruck“, sagt Peter Brock, Landeschef des Bundes der Strafvollzugbediensteten. Offenbar sei es „Frau Grafweg gelungen, das Betriebsklima in den letzten Wochen und Monaten zu verbessern“. Brock weiter: „Sicherlich kann man nicht von heute auf morgen alle Veränderungen umsetzen, aber die Entwicklung in Ronsdorf geht ganz offensichtlich in eine gute Richtung.“ Andreas Schürholz von der Gewerkschaft Verdi will die Arbeit der kommissarischen Leiterin noch nicht bewerten: „Viele Mitarbeiter warten jetzt erstmal ab, was weiter passiert.“

Zufriedene und unzufriedene Gefangene

Rückkehr nach Remscheid geplant

Strafprozess gegen JVA-Mitarbeiter

(…weiterlesen…)

http://www1.wdr.de/nachrichten/jva-wuppertal-ronsdorf-154.html

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.