Ex-Bewohnerin spricht über Zustände im Friesenhof

Kiel. Strafsport, Isolation und zensierte Briefe – erstmals haben zwei ehemalige Bewohnerinnen der inzwischen geschlossenen „Friesenhof“-Mädchenheime vor dem Untersuchungsausschuss des Kieler Landtags (PUA) ausgesagt. An der Tagesordnung seien auch Kollektivstrafen gewesen, wenn zu Beispiel eine Bewohnerin geflohen sei. Das habe sich auch auf den Speiseplan erstreckt, sagte eine der Frauen am Montag im Ausschuss.
Die „Friesenhof“-Mädchenheime waren im vergangenen Jahr geschlossen worden. Den Einrichtungen wurden Mangel an pädagogischem Fachpersonal und menschenentwürdigende Methoden im Umgang mit Mädchen vorgeworfen.
Eine Strafe ist den Zeuginnen besonders in Erinnerung geblieben: „Das Schlimmste waren zwei Wochen Grünkohl, ungewürzt“, sagte eine 22-Jährige, die von November 2009 rund acht Monate unter anderem im Camp „Nanna“ war. Den Kohl gab es demnach pur, ohne Kartoffeln oder Fleisch, nur die letzten zwei Tage habe es etwas Ketchup dazu gegeben, sagte die Zeugin auf Nachfrage.
Dies sei eine Kollektivstrafe für alle gewesen, wenn beispielsweise eine der Jugendlichen abgehauen war. Das bestätigte eine 21-Jährige, die seit ihrem 13. Lebensjahr für mehr als drei Jahre im „Friesenhof“ lebte. „Wenn ich abgehauen bin, dann gab es Grünkohl für die ganze Gruppe.“
Auch Strafsport sei die Regel geworden. An nächtliche Leibesübungen, wie einige ehemalige Mitarbeiter sie vor dem PUA, geschildert hatten, konnte sich die 22-Jährige nicht erinnern. Aber sie habe mit anderen zusammen zur Strafe einmal eine Riesenrunde laufen müssen „und die Betreuer sind im Auto hinterher gefahren“.
Beide Zeuginnen schilderten, wie sie zur Strafe von den anderen Mädchen je rund eine Woche isoliert worden seien. Sie hätten während der Zeit nicht mit den anderen Bewohnerinnen sprechen dürfen, seien von der internen Beschulung ausgeschlossen gewesen und mussten auf dem Zimmer essen. Theoretisch hätte sie durch das Fenster fliehen können. Ob Fenster verriegelt waren und aus welchen Gründen, darüber hatte es in den bisherigen Sitzungen widersprüchliche Aussagen gegeben.
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http://www.abendblatt.de/region/schleswig-holstein/article207438059/Ex-Bewohnerin-spricht-ueber-Zustaende-im-Friesenhof.html
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