JVA Wulkow: Niemand will Knast-Direktor werden

Das schlagzeilenträchtige Gefängnis in Wulkow bei Neuruppin hat ein Führungsproblem: Niemand will Direktor werden – nur ungeeignete Kandidaten. Binnen drei Jahren wird jetzt der fünfte Leiter eingesetzt. Wieder einmal soll es sich nur um eine Übergangslösung handeln. Bedienstete sind sauer.

Neuruppin

Die Haftanstalt Wulkow (Neuruppin) kommt nicht zur Ruhe. Am 1. Juni soll nach MAZ-Informationen der fünfte Gefängnisdirektor binnen drei Jahren eingesetzt werden. Wieder soll es sich nur um eine Übergangslösung handeln. Weil die Ausschreibung keinen brauchbaren Kandidaten zu Tage förderte, soll nun ein Referatsleiter aus dem Justizministerium die vakante Stelle für zunächst sechs Monate besetzen.

Justizministeriums-Sprecherin Maria Strauß sagte, zu dem Besetzungsverfahren äußere sich ihr Haus nicht. Gleichwohl sei man bestrebt, die Personalangelegenheit „so schnell wie möglich hinzukriegen“.

Die Zustände in Wulkow hatten im Sommer 2015 Landtagsausschüsse beschäftigt. Eine auffallend hohe Zahl von Insassen hatte sich bei den Parlamentariern über Haftbedingungen beschwert – unter anderem über angebliche Zwangsversetzungen nach Beschwerden. Justizministeriums-Sprecherin Maria Strauß hatte damals die hohe Zahl von Petitionen aus der JVA unter anderem mit häufigen Wechseln in der Leitungsebene begründet. Auch sonst machte die JVA Schlagzeilen. Im Februar legte ein Insasse einen Brand, 70 Mithäftlinge mussten evakuiert werden. Acht Selbstmorde hat es seit Inbetriebnahme 2001 gegeben. Im Februar erst töte sich ein mutmaßlicher Räuber, im Jahr zuvor hatte sich ein Betrüger mit Hilfe einer Mullbinde erhängt.

Strafvollzugsgewerkschaft kritisiert: „Die Orientierung fehlt“

Scharfe Kritik an der Hängepartie kommt vom Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD). „Es ist ein schlimmer Zustand für die Bediensteten – die Orientierung fehlt“, sagt der BSBD-Landeschef Rainer Krone. „Die Strafgefangenen probieren nach jedem Wechsel aufs Neue aus, was geht.“ Einige seiner rund 130 Kollegen seien „an dem Punkt, sich innerlich zu verabschieden“.

Personalkarussell dreht sich seit drei Jahren

Eine Übergangslösung nach der anderen

Der zweifelhafte Ruf der Brandenburger Justizpolitik

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http://www.maz-online.de/Brandenburg/Niemand-will-Knast-Direktor-werden

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