Dieser Mann will unbedingt im Gefängnis bleiben

Ex-Bankräuber Roland R. könnte längst in Freiheit sein. Doch der 61-Jährige, der in Sicherungsverwahrung sitzt, sträubt sich. Er möchte lieber in der Anstalt bleiben. Und dafür hat er gute Gründe.

Roland R. hat knapp zwei Stunden Zeit, bevor er in seinen Gefängnisraum zurückkehren muss. Er wartet vor dem Hauptbahnhof in Dortmund und hält Einkaufstüten mit neuem Geschirr. Eine Laptoptasche hängt in Hüfthöhe am Schultergurt. Er lacht fröhlich unter seinem riesigen, schwarzen Regenschirm.

Es war schwer, ihn zu treffen. Einige Wochen lang war er telefonisch nicht mehr zu erreichen, weil er Anfang Mai von der Justizvollzugsanstalt Aachen fast 200 Kilometer nordöstlich nach Werl verlegt worden war, einmal quer durch Nordrhein-Westfalen. Dann geht er an einem Donnerstagnachmittag plötzlich wieder ans Handy, und wir verabreden uns spontan in Dortmund, wo R. gerade seinen Ausgangstag verbringt.

Er redet zur Begrüßung am Hauptbahnhof mit schwäbischem Akzent munter drauflos, und ich frage mich auf dem Weg zum Café, ob das wirklich der Mann ist, der wegen Bankraubes verurteilt wurde. Der wegen seiner großen kriminellen Energie nach der regulären Haft in die Sicherungsverwahrung kam – und der jetzt nicht aus dem Gefängnis will, obwohl er dürfte.

Nur ein Business

Das war damals so bei seinen Straftaten, und das gilt auch jetzt in juristischen Belangen: Er wehrt sich gegen die nordrhein-westfälische Justiz, die nach seiner Meinung viel zu wenig für die Gefangenen tut. Deshalb weigert er sich, in eine Freilassung einzuwilligen. „Jetzt drehe ich den Spieß um. Ich will nicht, weil ich sage, dass ich nicht ausreichend vorbereitet wurde“, sagt R. Er fordert, dass die Justiz die geltenden Gesetze umsetzt und ihm stärker bei der Wohnungs- und Arbeitssuche hilft.

Es geht ihm recht gut hinter Gittern. R. ist ja kein Häftling mehr, sondern Sicherungsverwahrter. Er hat einen eigenen Wohnraum, hält sich die Nymphensittiche Hanni und Nanni, wird verpflegt und macht regelmäßig Ausgänge. Über 600-mal war er in den vergangenen zwei Jahren draußen. In der JVA Aachen konnte er es gut aushalten, auch weil ihm die Stadt gefällt. Seit seiner Verlegung in die JVA Werl, wo das Land NRW neuerdings all ihre Sicherungsverwahrten zentral unterbringt, hält sich R. öfter in Dortmund auf. Werl ist ihm zu klein.

„Gene eines Alphatiers“

Luxuriöser Lebensstil

Genannt: „Beschwerdefürst“

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