Protestradler in Elmshorn vor Gericht : Radfahrer drückt immer wieder Bedarfsampeln – und landet vor Gericht

Elmshorn | Selten waren sich Zeugen und Zuhörer in einer Gerichtsverhandlung so einig: Dieser Radfahrer nervt total. Es geht um Frank B. aus Klein Offenseth-Sparrieshoop. Er stand gleich wegen zwei Anzeigen vor dem Elmshorner Amtsgericht. Einmal wurde er verurteilt, einmal wurde das Verfahren eingestellt. Besonderen Eindruck machte das nicht auf den Mann. Richterin Christine Franzius drohte er mit einem Befangenheitsantrag.

Frank B., der beim Finanzamt Nienstedten arbeitet, fährt morgens gegen 7 Uhr mit dem Fahrrad in die Elmshorner Innenstadt. Und vor allem in der Straße Kaltenweide, nach Aussagen von Zeugen, recht unorthodox. Mal soll er ganz langsam, mal sehr schnell fahren. Immer aber, so der Vorwurf, behindere er die Autofahrer. Und das ganz bewusst. Die Polizei hatte B. angezeigt, weil dieser in der Kaltenweide auf Bedarfsampeln gedrückt hatte, ohne die Straße überqueren zu wollen. So habe er den Berufsverkehr ohne Grund an etlichen Tagen ins stocken gebracht. Das sagte der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Elmshorn vor Gericht aus. Das ist nicht erlaubt.

B. bestritt das auch nicht. Sah aber nicht ein, dass er dafür bestraft werden sollte und hatte die verhängten 20 Euro Bußgeld nicht bezahlt. Deshalb stand er nun vor Gericht. Das allerdings ist für den Sparrieshooper nicht neu. Sowohl in Hamburg als auch in Elmshorn ist der Radfahrer bereits gerichtsbekannt.

Er bringt die Autofahrer zur Weißglut

Morgens kurz vor 7 Uhr ist die Welt für Autofahrer auf dem Weg von Klein Offenseth-Sparrieshoop in die Elmshorner Innenstadt noch in Ordnung. Doch kurz darauf nicht mehr. Dann taucht Frank B. aus Sparrieshoop mit seinem Fahrrad auf und bringt die Autofahrer mit seiner Fahrweise und dem grundlosen Drücken auf Bedarfsampeln zur Weißglut. So jedenfalls lauten die Aussagen vor dem Elmshorner Amtsgericht und im Zuhörerraum.

Der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Elmshorn, Patrick Melber, hatte B. nach eigener Aussage mehrfach dabei beobachtet, wie dieser die Ampeln, ohne sie benutzen zu wollen, gedrückt hatte. Deshalb hatte er den Sparrieshooper schließlich angezeigt. Weil B. die 20 Euro Bußgeld nicht bezahlen wollte, kam es nun zur Verhandlung vor dem Amtsgericht in Elmshorn.

„Es steht doch alles in Ihren Unterlagen. Wozu soll ich mich äußern“, herrschte er Richterin Christine Franzius gleich zu Beginn der Verhandlung an, als diese seine Personalien wissen wollte.

Der angezeigte Fall hatte sich im Februar dieses Jahres ereignet. Melber hatte auf seinem Weg zum Polizeirevier gesehen, dass B. auf die Bedarfsampel auf Kaltenweide an der Straße Uferkamp gedrückt hatte. „Er hat richtig draufgehauen, das hat man sogar im Auto gehört“, sagte Melber.

Mit dem Fahrrad immer auf der Straße

Denn obwohl es in der Kaltenweide einen Fahrradweg gibt, fährt B. auf der Straße. Das macht er prinzipiell, weshalb er auch in Hamburg schon juristische Auseinandersetzungen hatte. Auf Kaltenweide sei das erlaubt, so die Polizei. Nicht aber das Ampeldrücken, einfach nur so. Das mache er, weil er dann ungefährdet weiterfahren könne, erläuterte B. Denn einige Autofahrer hätten „nicht mal ein Vakuum im Kopf“ und würden ihn beim Überholen extrem gefährden, so der radelnde Diplom-Finanzwirt.

Nach eigener Aussage hat B. das Ampeldrücken ohne die Straße zu überqueren „seit der letzten Gerichtsverhandlung“ sein lassen. Nun halte er an, drücke auf den Ampelknopf, gehe bei Grün auf die andere Straßenseite, mache ein Foto und gehe, bei erneutem Fußgängergrün, wieder zurück und setze die Fahrt mit dem Rad fort. „Die Fotos stelle ich vielleicht mal ins Internet. Das gibt bestimmt ein Kunstwerk“, sagte er.

 

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http://www.shz.de/lokales/barmstedter-zeitung/radfahrer-drueckt-immer-wieder-bedarfsampeln-und-landet-vor-gericht-id14148616.html

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